Abgesehen von den notwendigen Passagen in Gesamtdarstellungen zur Geschichte deutscher Universitäten liegen bis heute noch keine Studien vor, die sich explizit – auch und gerade in komparatistischer Hinsicht – mit dem Phänomen „Universität und Krieg“ beschäftigen. Da derzeit parallel mehrere Arbeiten zu dieser Thematik entstehen, wird es das primäre Ziel des Workshops sein, einschlägig arbeitende Forscherinnen und Forscher zusammenzubringen, um neue Forschungsergebnisse miteinander zu diskutieren, weiterführende Fragen zu formulieren und gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln.
So soll insbesondere die immer wiederkehrende pauschale These vom Niedergang der Universitäten und des akademischen Lebens in Kriegszeiten kritisch hinterfragt werden. Der Dreißigjährige Krieg war nicht überall im Alten Reich gleichermaßen und gleichzeitig präsent, so dass während des Krieges für jede Universität eigene Konjunktur- und Depressionsphasen zu beobachten sind, die sich beispielsweise an der Entwicklung der Immatrikulationsfrequenzen ablesen lassen. Sowohl Studenten als auch Lehrende entwickelten verschiedene Strategien, um den Lehrbetrieb auch in Kriegszeiten aufrechtzuerhalten. Bisweilen kam es zu umfassenden Migrationsbewegungen an kriegsverschonte Ausweichuniversitäten, die nicht selten am Rande oder außerhalb des Alten Reiches lagen. Als besonders hilfreich erweist sich auch das aktuelle Frageinstrumentarium der modernen, sozial- und kulturhistorisch ausgerichteten Militärgeschichtsforschung, wenn etwa der Umgang der (einquartierten) Besatzungstruppen mit Professoren und Studenten oder die Bereitschaft der Universitätsangehörigen, sich aktiv an der Verteidigung ihres Hochschulortes zu beteiligen, in den Blick genommen werden. Nicht zuletzt sollen auf dem Workshop auch andere kulturhistorische Fragestellungen explizit thematisiert werden, z. B. die stets behauptete, aber bislang nicht kritisch überprüfte These von der allgemeinen Verrohung der Sitten und der erhöhten Gewaltbereitschaft von Studenten im Dreißigjährigen Krieg.
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Flyer!
Donnerstag, 6. Mai 2010
13.00 Uhr, Martin Mulsow , Thomas Kossert
Begrüßung und Einführung
13.15 Uhr, Susanne Häcker
Universität und Krieg. Die Universitäten Heidelberg, Tübingen und Freiburg im Dreißigjährigen Krieg
14.00 Uhr, Kaffeepause
14.30 Uhr, Tobias Schönauer
Landesfestung und Universität. Ingolstädter Studenten während des Dreißigjährigen Krieges
15.15 Uhr, Marian Füssel
Akademischer Sittenverfall? Studentenkultur während und nach dem Dreißigjährigen Krieg
16.00 Uhr, Kaffeepause
16.30 Uhr, Werner Wilhelm Schnabel
Der Feldherr und die Universität. Vom akademischen Leben im Dreißigjährigen Krieg in seiner literarischen Verarbeitung am Beispiel Altdorfs
17.15 Uhr, Führung durch die Forschungsbubliothek
19.00 Uhr, Gemeinsames Abendessen
Freitag, 7. Mai 2010
9.00 Uhr, Wenke Richter
Die mitteldeutschen Universitäten in der Krisenzeit des Dreißigjährigen Krieges. Eine Matrikelanalyse zu den Hochschulen in Leipzig, Wittenberg, Jena und Erfurt
9.45 Uhr, Alan Ross
Stadt, Schule und Besatzung. Lernverhalten und sozialer Hintergrund Zwickauer Schüler, 1617-1677
10.30 Uhr, Kaffeepause
11.00 Uhr, Alexander Zirr
Die Universität Leipzig während der schwedischen Besetzung der Stadt 1642-1650
11.45 Uhr, Thomas Kossert
Die Reform der Universität Erfurt im Dreißigjährigen Krieg
12.30 Uhr, Matthias Asche
Schlusskommentar und -diskussion
13.00 Uhr, Ausklang und Abreise
Weitere Informationen und Anmeldung:
Thomas Kossert
Interdisziplinäres Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit
Universität Osnabrück
Neuer Graben 19/21
49069 Osnabrück
Tel. 0541 / 969 4905
E-Mail: thomas.kossert@uni-osnabrueck.de
